100 Tandems, 250 Menschen, 20 Nationen – Das Jahr bei TANDEM

Ohne Bindung keine Bildung, das ist das Motto des Mentorenprojekts TANDEM in Bad Nenndorf. Zahlreiche Ehrenamtliche setzen sich hier dafür ein, dass sich Kinder mit Unterstützungsbedarf, unabhängig von ihrer Herkunft, in Schule und Gesellschaft zurechtfinden, Deutsch lernen und überhaupt – einfach nur jemanden haben, der ihnen zuhört, sie wertschätzt.

Mentorinnen Renate Thiemann, Edith Vollmann und Hannelore Pietzkonka mit Projektleiterin Meyer-Engelke (v.l.n.r.).
Thiemann und Pietzkonka sind seit dem ersten Tage an dabei.


Wie jedes Jahr trafen sich die beinahe 80 Mentoren bei Kaffee und Kuchen zur ihren Feedbackrunden um Erfolge zu feiern, das Jahr zu reflektieren und in die Zukunft zu blicken. Obwohl sich viele Projektbeteiligte auch privat kennen, sind die Treffen eine seltene Gelegenheit, sich sowohl untereinander als gerade auch mit den Klassenlehrern auszutauschen.

Und es war ein erfolgreiches Jahr. Wieder einmal ist die Zahl der Tandems angewachsen.
Rund 100 Gespanne sind es inzwischen, die das Projekt an Kita, Grundschule, Gymnasium, Ausbildung und Berufsleben koordiniert. Zudem begleiten Mentoren ehemalige Schüler, die sich bereits in Ausbildung und Studium befinden und bringen Erwachsenen Migranten deutsch bei.

Diese durchgehende Bildungskette von Kita bis zum Beruf ist es, die das Projekt bundesweit einzigartig macht.
Die Mentoren selbst sind Berufstätige, Studierende und Rentner im Alter von 19 bis 85 Jahren. Einmal pro Woche treffen sie sich mit jedem ihrer Schützlinge für 45 bis 90 Minuten individuell.
Für diejenigen, die mehrere Kinder betreuen, kann das fast ein Teilzeitjob werden. Wohlgemerkt ehrenamtlich.
Christine Schimke etwa betreut 7 Kinder und ist damit zahlenmäßig Rekordhalterin.

Projektleiterin Elisabeth Meyer-Engelke und Christina Schimke(rechts). Die 69-Jährige betreut 7 Schülerinnen und ist damit die Spitzenreiterin.

Frühe Förderung ist entscheidend

Projektleiterin Meyer-Engelke erklärt, dass jedes 5. Kind bei der Einschulung Sprachprobleme habe, dass ein Drittel aller Auszubilden die Probezeit nicht überstehe, dass die Hälfte aller Abiturienten nicht wirklich reif für die Hochschule sei. Zahlen, die Nachdenklich machen.

Sie sagt, die Gründe dafür sind schon in der frühesten Kindheit zu finden. So werde etwa in jedem dritten Haushalt nicht mehr vorgelesen. Nicht zuletzt deshalb sei es wichtig, schon früh mit der Förderung anzufangen und sich auch in der Bildung der Eltern zu engagieren.
Inzwischen gibt es Tandems in Kitas, an der nenndorfer Grundschule ist bereits jedes siebte Kind,also 15% aller Schüler in einem Tandem organisiert.

Internationales Projekt

Die Schützlinge kommen inzwischen aus allen Ecken der Welt – und das darf man durchaus wörtlich nehmen: Mit Ausnahme von Australien und der Antarktis sind Schüler, Auszubildende und erwachsene Migranten von allen Erdteilen und aus 20 Nationen vertreten. Vom Baltikum bis Japan, der Dominikanischen Republik bis zu den Philippinen.

Das alles zu bewerkstelligen und die 250 Projektbeteiligten zu koordinieren ist ohne Frage eine Mammutaufgabe, die Projektleiterin Meyer-Engelke mit einer halben Stelle bewerkstelligt.
Trotzdem sucht das Projekt aufgrund der großen Nachfrage weiterin Ehrenamtliche, die sich als Mentoren engagieren wollen.
Interessierte dürfen sich gerne direkt bei Elisabeth Meyer-Engelke per Email melden.