Schulbegleitung im Poolsystem

Schulassistenz (Schulbegleitung) – eine Mammut-Aufgabe im Rahmen der Inklusion an Schulen, die immer wichtiger wird. Schulassistent*innen begleiten Kinder mit bestimmten Erkrankungen und Beeinträchtigungen im Schulalltag. Sie unterstützen und helfen dort, wo das Kind nicht allein weiterkommt. Das kann vom Toilettengang bis zur Kommunikation mit Mitschüler*innen und Lehrkräften ziemlich alle Schulsituationen betreffen.

Schulassistenzen haben sich zu einer festen Institution im Schulalltag, in Klassenräumen und auf Pausenhöfen entwickelt und sind damit wichtige Partner von Eltern, Lehrkräften und Schulsozialarbeiter*innen.

Der Bedarf an 1:1-Betreuungen wächst kontinuierlich. Doch leider gibt es noch immer mehr Kinder, die eine Schulassistenz benötigen, als qualifiziertes Personal.

Um die Bedarfslücke zu schließen, greifen manche Schulen auf das Poolsystem zurück. So auch die Grundschule Mühlenweg, an der wir das Poolsystem erfolgreich durchführen. Am Beispiel dieser Grundschule stellen wir nachfolgend das Poolsystem vor und gehen auf die Unterschiede zu einer 1:1-Betreuung ein.

Ein Ferienprojekt der Schüler*innen

Tagesablauf

In einer regulären 1:1-Betreuung ist meist eine Schulassistenz für einen jungen Menschen zuständig. Die Schulassistenz trifft sich mit dem zu begleitenden Kind zu den vereinbarten Schulstunden. Die Höhe der Stundenzahl, die vom Kostenträger genehmigt werden, bestimmt im Wesentlichen die Arbeitsvertragsstundenzahl der Schulassistenz.

Im Poolsystem der Grundschule Mühlenweg betreuen derzeit 12 Mitarbeiter*innen der Stiftung HELP gemeinsam 13 junge Menschen. Vor dem Beginn der ersten Unterrichtsstunde treffen sich alle Schulassistenzen vor der Turnhalle und besprechen Besonderheiten für den Tag, wie zum Beispiel, ob Mitarbeitende oder Kinder erkrankt sind. Im Regelfall geht jede/r Mitarbeiter/in in eine feste Klasse, solange nicht in einer anderen Klasse vertreten werden muss. Dazu gibt es eine Springerkraft, die je nach Bedarf unterstützt.

Einer der drei Ruheräume, die im Mühlenweg der Schulassitenz zur Verfügung stehen

Arbeitsverteilung

In der 1:1 Betreuung hält sich die Schulassistenz immer in der Nähe des betreuten Kindes auf. Benötigt das Kind Unterstützung, die über die Hilfe der Lehrkräfte hinausgeht, ist die Schulassistenz sofort zur Stelle. In Phasen, in denen der junge Mensch selbstständig sein kann, hält die Schulassistenz sich auf Abruf in der Nähe bereit.

Im Poolsystem verteilen sich die Mitarbeiter*innen. Es gibt junge Menschen, die unbedingt eine 1:1 Betreuung benötigen und diese auch erhalten. Die anderen Kinder werden je nach Bedarf betreut. Das bedeutet, dass in selbstständigen Phasen des Kindes die aktuell freien Mitarbeiter*innen an anderer Stelle unterstützen können. So kann ein/e Mitarbeiter/in auch zwei Kinder betreuen. Ein weiterer Vorteil des Poolsystems: Die Vernetzung mit der Schule erfolgt fast automatisch. Die Schulassistenzen können an Klassenteambesprechungen und Dienstbesprechungen teilnehmen und sind damit direkt involviert. Dafür werden zeitliche Ressourcen zur Verfügung gestellt.

Ablauf im Krankheitsfall

Bei einer Einzelbetreuung unterscheiden sich die Vorgehensweisen im Krankheitsfall bei unterschiedlichen Leistungsanbietern.
Ist das zu begleitende Kind erkrankt, wird die Schulassistenz nicht benötigt. In diesem Fall kann sich die Schulassistenz über einen freien Tag freuen – oder aber sie springt als Vertretung für eine andere Schulassistenz ein, wenn diese erkrankt ist.
Im Umkehrschluss bedeutet das: Für den Fall, dass eine Schulassistenz krankheitsbedingt ausfällt, kann durch eine andere, freie Schulassistenz vertreten werden. Steht keine Vertretung zur Verfügung, muss der junge Mensch wenn möglich vorübergehend ohne Schulassistenz beschult werden. Ist das nicht möglich, muss er zu Hause von seinen Eltern betreut werden. Spätestens ab dem dritten Tag muss jedoch eine Vertretung eingesetzt werden.

Im Poolsystem ist das Thema „Krankheit“ leichter zu händeln. Ist ein Kind krankheitsbedingt nicht in der Schule, unterstützt die freie Schulassistenz die anderen Kolleg*innen. Ist eine Schulassistenz krank, können das die anderen Schulassistenzen aus dem Pool ausgleichen. Da jede/r Mitarbeiter/in jedes betreute Kind ausgiebig kennt, sind die Bezugspersonen für den jungen Menschen nie fremd.

Natürlich gibt es Schulassistenz-Kind-Konstellationen, die auf der zwischenmenschlichen Ebene gut oder weniger gut funktionieren. Die Koordination hat die Aufgabe, die weniger gut funktionierenden Konstellationen soweit es geht zu vermeiden. Damit stellt sie sicher, dass während der Arbeit die bestmöglichen Synergien freigesetzt werden und sich alle möglichst wohl fühlen.

Voraussetzungen für das Poolsystem

Das Poolsystem bietet eine Menge Vorteile, aber der Einsatz dieser Organisationsart unterliegt einigen Voraussetzungen. Zum einen einer einfachen organisatorischen: Für das Poolsystem müssen an einer Schule viele Schulassistenzen eines Anbieters arbeiten. Zum anderen ist eine zwingende Voraussetzung, dass im Poolsystem ausschließlich junge Menschen mit einer körperlichen und/oder geistigen Beeinträchtigung unterstützt werden dürfen. Für andere Beeinträchtigungen, wie zum Beispiel eine emotional-soziale Beeinträchtigung, kommt das Poolsystem derzeit nicht in Frage. In solchen Fällen muss zwingend eine 1:1-Betreuung gegeben sein, es sei denn zwei Kinder mit vermindertem Bedarf besuchen zufällig die gleiche Schule und Klasse.

Herausforderungen durch Corona

Die im Zuge der Corona-Pandemie festgelegten Regelungen und Hygienemaßnahmen haben die Herausforderungen, die eine Schulassistenz grundlegend mit sich bringt, noch einmal erhöht. Eine Schulassistenz lebt davon, dass Betreuer*in und Kind sich uneingeschränkt angesehen können. Das Tragen von Masken im Schulgebäude ist aktuell Pflicht – es macht die Kommunikation jedoch sehr schwierig. Viele der jungen Menschen sind sprachentwicklungsverzögert und benötigen den Blick auf die Mimik der Schulassistenz, um Worte und Gebärden besser verstehen zu können. Umso stolzer können unsere Mitarbeiter*innen sein, dass sie die Stellung so sicher und selbstbewusst halten. Die betreuten Kinder, die Eltern und die Schule sind dankbar für ihren Einsatz!